SABCS 2019

DorisNeues vom San Antonio Breast Cancer Symposium, dem weltweit größten Brustkrebskongress (USA)

von Doris C. Schmitt

Brustkrebs verhindern – Hormonersatztherapie ja oder nein?
Rowan Chlebowski präsentierte die Ergebnisse aus den Studien der Women’s Health Initiative und konnte zeigen, dass Frauen in den Wechseljahren ohne Gebärmutter und ohne Brustkrebserkrankung von einer sogenannten Conjugated Equine Estrogene (Östrogenbehandlung) profitieren und sogar ein geringeres Brustkrebsrisiko haben. Als weiteres Ergebnis kann der Studie entnommen werden, dass die Hormontherapie in den Wechseljahren bei Frauen mit Gebärmutter weiterhin vorsichtig und unter Be-rücksichtigung von Nutzen und Risiko eingesetzt werden sollte.

Verbesserung des Überlebens bei Brustkrebs
Die kontinuierliche Optimierung von Operation, Bestrahlung und zielgerichteter Therapie hat einen deutlichen Einfluss auf ein verbessertes Überleben bei Brustkrebs. Die Oxford Daten von 80 000 Brustkrebspatientinnen konnten zeigen, dass sich das Risiko einer Fernmetastasierung bei hormonrezeptorpositivem Mammakarzinom ohne Lymphknotenbefall von 19 auf 14 % verringerte.

Das hormonrezeptor postitive postmenopausale Mammakarzinom - neue Zehn-Jahres-Daten
Eine erweiterte adjuvante Hormontherapie über 5 Jahre hinaus zeigt eine weitere Verbesserung um 4 % im krankheitsfreien Überleben (DFS), vor allem bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall (nodal positiv) und 5-Jahres Tamoxifen Behandlung.

Das triple-negative Mammakarzinom (TNBC)
–die GeparX-Studie (Gepar10)
Negative Studienergebnisse können auch ein positives Ergebnis haben. In dieser Studie wurden Patientinnen mit triple-negativem Brustkrebs eingeschlossen. Es sollte überprüft werden, ob durch die Zugabe von Denosumab, einem Antikörper, der bei Osteoporose und Knochenmetastasen eingesetzt wird, zur Chemotherapie eine verbesserte pathologische Komplettremission erreicht werden kann. Das Ergebnis war negativ, heißt also, dass die Patientinnen in diesem Studienarm keinen Vorteil gegenüber den Patientinnen hatten, die nur mit einer Chemotherapie (EC plus Nab-Paclitaxel plus Platin) behandelt worden waren.
Jedoch konnte gezeigt werden, dass eine durchgehende Behandlung über 12 Wochen ohne Pause, der Behandlung mit einer Pause nach zwei Gaben überlegen ist und einen Überlebensvorteil zeigt. Leider muss diese Therapie mit einer leicht erhöhten Polyneuropathie akzeptiert werden, die jedoch durch Kühlung der Hände und Füße während der Chemotherapie gemildert werden kann.

-die Keynote 522 – Studie
Untersucht wurde eine neoadjuvante Behandlung des frühen triple-negativen Mammakarzinoms mit einer Immuntherapie und einer Chemotherapie. Es konnte gezeigt werden, dass die mit Chemotherapie und Pembrolizumab behandelten Patientinnen ein besseres Ansprechen auf die Therapie hatten.
Tumoren, die PD-L1-überexprimiert waren, hatten einen deutlich höheren Vorteil nicht nur unter dem Immuncheckpoint-Inhibitor, sondern auch unter der neoadjuvanten Chemotherapie.
Die ersten Ergebnisse zur Immuntherapie bei Brustkrebs weisen darauf hin, dass diese Therapie kommen wird, sollte zurzeit aber nur unter Studienbedingungen eingesetzt werden. Auch muss berücksichtigt werden, dass Langzeitdaten hinsichtlich Toxizität fehlen.

Das HER2-positive Mammakarzinom
-die Aphinity-Studie
Haben Patientinnen, die mit Trastuzumab plus Pertuzumab und Chemotherapie behandelt werden, einen Vorteil gegenüber den Patientinnen mit einer Standardtherapie mit Trastuzumab und Chemotherapie? Das kann mit einem eindeutigen JA beantwortet werden. Nach 74 Monaten Nachbeobachtung lebten mehr als 95 Prozent der betroffenen Frauen. Von dem zusätzlichen Antikörper Pertuzumab profitieren vor allem Patientinnen mit befallenen Lymphknoten.

Das metastasierte hormonrezeptorpositive HER2-negative Mammakarzinom
-die PEARL-Studie
Die endokrine Behandlung von postmenopausalen Patientinnen mit dem CDK4/6-Inhibitor Palbociclib und dem Aromatasehemmer Exemestan ist der Mono-Chemotherapie mit Capecitabine nicht unterlegen. Anders als bei der Young PEARL Studie mit prämenopausalen Patientinnen gab es zwar keinen Vorteil hinsichtlich des progressionsfreien Überleben, jedoch einen deutlichen Vorteil bezüglich Toxizität. Die Therapieabbrüche unter der Kombinationstherapie Palbociclib und Exemestan waren geringer, da weniger Nebenwirkungen, wie z.B. das sehr belastende Hand-Fußsyndrom, auftraten.

Metastasierter HER2-positiver Brustkrebs
-die HER2CLIMB-Studie
Mit Trastuzumab, Pertuzumab und T-DM 1 vorbehandelte Patientinnen profitieren vom neuen Tyrosinkinasehemmer Tucatinib. Diese Studiendaten konnten zeigen, dass bei Patientinnen, die zum Teil auch Hirnmetastasen entwickelt hatten, eine weitere Behandlung nach dem Fortschreiten möglich ist. Mit der Kombination aus Tucatinib, Trastuzumab und Capecitabin konnte nicht nur das progressionsfreie Überleben verbessert werden, sondern auch das Gesamtüberleben. In der Gruppe mit der Dreifachtherapie waren mehr Nebenwirkungen mit Grad 3 oder höher zu beobachten, trotzdem war die Abbruchrate niedrig.

Blick in die Zukunft
-die Destiny-Studie
Hierbei handelt es sich um eine einarmige globale pivotale Phase-II-Studie (DESTINY-Breast01), die Trastuzumab-Deruxtecan (DS-8201) bei Patientinnen mit HER2-positivem, metastasiertem Mammakarzinom untersuchte. Die Tumoransprechrate lag bei beeindruckenden 60,9 %, das progressionsfreie Überleben bei 16,4 Monaten. Die behandlungs-assoziierten unerwünschten Ereignisse waren überwiegend vom Schweregrad 1 oder 2. Jedoch kam es bei 13,6 % der stark vorbehandelten Patientinnen zu einer bestätigten interstitiellen Lungenerkrankung (ILD), an der vier Patientinnen verstarben.
Drei Phase 3 Studien sind in Planung, an der auch deutsche Studienzentren teilnehmen werden.

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